Türkei: Ein Land mit vielen Gesichtern

Türkei: Ein Land mit vielen Gesichtern

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Wer oder was genau ist die Türkei überhaupt? Woher kommt sie – wohin geht die Reise?

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Fläche: Mit 783 m2 doppel so groß, wie die Fläche Deutschlands
Einwohner: Mit 80 Mio Einwohnern, so viel Einwohner wie Deutschland
BIP pro Einwohner: 11.000 (Vgl. Deutschland: 45.000)

Die Türkei ist eine natürliche Brücke zwischen Asien und Europa. Außer dem kleinen Anteil an Europa (Thrakien), der rund 3% der Staatsfläche ausmacht, umfasst das Land die weit nach Westen vorgeschobene Halbinsel Kleinasien und reicht im Osten bis zum Ararathochland.

Bizarre Tuffsteinlandschaft

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Bild: Wolfgang Beyer

Aus dem anatolischen Hochland um Göreme ragen die schneebedeckten Gipfel des Erciyas Dagi und des Hasan Dagi empor, die vor Millionen Jahren die Landschaft mit Lava und lockeren Tuffmassen überdeckten Wind und Wasser haben daraus in Tausenden von Jahren eine bizarre Landschaft mit aufragenden Tuffkegeln und Felstürmen entstehen lassen. Aber auch Menschen hinterließen hier ihre Spuren. In mühevoller Arbeit gruben sie Kammern, Wohnhöhlen, Ställe, Kapellen und Klöster in den weichen Stein. Im Lauf der Zeit entstanden regelrecht Städte, die durch ein riesiges Labyrinth von Gängen und Stufen miteinander verbunden waren.

Der Berg der Arche

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Bild von Christian Koehn

Der Ararat liegt im äußersten osten der Türkei, Grenzgebit zu Armenien und Iran. Hier am 5.137 m hohen Vulkan soll nach biblischer Überlieferung der Neubeginn der Menschheit seinen Ausgang genommen haben

Ausbau des Verkehrswesens

Das Verkehrswesen wurde in den letzten Jahren stark gefördert. Der Schwerpunkt lag und liegt immer noch in der Erweiterung des Straßennetzes, über das der überwiegende Teil des inländischen Güter-und Personenverkehrs erfolgt. Der starke Ausbau der Infrastruktur hatte entsprechend positiven Einfluss auf die Wirtschaft des Landes.

Klimavielfalt

Das Klima ist gekennzeichnet durch einen auffäligen Gegensatz zwischen den Küstengebieten und den von Randgebirgen umschlossenen inneren Hochland. An den Küsten des Mittelmeeres und der Ägäis sind die Sommer lang und heiß, die Winter mild und feucht. Im Durchschnitt erreichen die Temperaturen im August 27 Grad Celsius und im Januar 9 Grad Celsius.
Das Landesinnere ist ausgesprchen trocken. Die Nierschlagsmengen sehr gering. Die Sommer sind heiß, die Winter kalt Ararathochland mitunter auch schneereich. In Südostanatolien sind im Sommer Temperaturen von 45 Grad Celsius keine Seltenheit.

Unterschiedliche Bevölkerungen

Nach dem Verständnis der Kemalisten ist weder Religion noch ethnische Herkunft das Verbindende der türkischen Nation, sondern allein das Bekenntnis zu der Türkei. Demnach ist der türkische Staatsbürger per Definition Türke, egal welcher ursprünglichen Herkunft er angehört. Offiziell sind 99% der Bevölkerung Muslime. Trotzdem war es lange Zeit politisch problematisch, sich öffentlich zu seiner Religion zu bekennen. Dies führte zu Spannungen zwischen Bevölkerung und Regierung, die lange Zeit nicht die Mehrheit der Bevölkerung representierte.

Anteil der Kurden

Die Kurden sprechen eine indoeuropäische Sprache und sind überwiegend Muslime sunnitischer Richtung. Bereits im 7.Jh. siedelten verschiedene kurdische Stämme in den Bergregionen zwischen Armenischem Hochland, Euphrat und Sagrosgebirge. Seit dem 14. Jh. gehörte der größte Teil dieses Gebietes dem Osmanischen Reich. Nach dessen Auflösung verteilten sich die Kurden auf die Türkei, Iran, Irak, Armenien und Syrien. Der größte Teil lebt heute in der Türkei.
Bereits in den 1920er Jahren formierten sich Aufstände gegen die „Türkisierung“. Zunehmend radikaliserten sich die Autonomiebestrebungen. Die 1978 gegründete Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) begann dann einen bewaffneten Kampf gegen die türkische Armee. 1999 wurder der Führer der PKK, Abdullah Öcalan, wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt. Es gibt seit langem TV-Sender in kurdischer Sprache und Unterricht auf kurdisch wird abgehalten. Allerdings gab ein Teil der PKK den bewaffneten Kampf nicht auf. Auch wenn die PKK das so darstellt repräsentieren sie nicht die kurdischstämmige Bevölerung.

Religion

Seit der Gründung der Republik gilt in der Türkei die strikte Trennung zwischen Saat und Religion(Laizismus). Bereits 1924 war das Kalifat, die weltliche und gesitliche Führungsposition im Islam, abgeschafft worden. Die religiösen Schulen wurden dem Erziehungsministerium unterstellt und die Scharia abgeschafft. Dennoch erinnert der Ruf des Muzezzin, der fünfmal am Tag selbst in den entlegensten Winkeln die Gläubigen zum Gebet auffordert, dass die Türkei ein islamisch geprägtes Land ist. 99% der Staatsbürger sind Muslime, die meisten Sunniten, etwa 20% Aleviten

aleviten

 

Lebendige Tradition

Die religiösen Feiertage richten sich noch immer nach dem islamischen Mondkalender, in dem ein Jahr aus 354 Tagen und 9 Stunden besteht. Dadruch verschieben sich die Termine jedes Jahr um zirka elf Tage nach vorn. Dabei sind das Opferfest und der Ramadan sind die markantesten Termine. Bei Gegenseitigen Besuchen beschenken sich Freund und Verwandte mit Süßigkeiten aller Art, die für den klassischen europäischen Gaumen zu süß scheinen.

Beeinflußte Sprache

Türkisch, die bedeutenste Turksprache, gehört zur altaischen Sprachfamilie. Das moderne Türkisch stammt von der Sprache ab, die durch die Seldschuken im 11. Jh. nach Kleinasien kam und sich später zur führenden Sprache im osmanischen Reich entwickelte. Im Zuge der Reformpolitik Kemal Atatürks wurde 1928 das angepasste lateinische Aphabet eingeführt, das die arabischen Schriftzeichen ablöste. osmanlicaZahlreiche arabische und persische Lehnwörter wurden durch türkische Begriffe ersetzt. Der Versuch Türkisch auch als Koransprache durchzusetzen scheiterte jedoch.

In den 1980er Jahren durfte in der Türkei nur Türkisch gesprochen werden. Alle anderen Sprachen waren verboten. Wer gegen dieses Gesetz verstieß, musste mit staatlichen Repressalien bis hin zu Gefängnissprachen rechnen. Das hat in der Zwischenzeit deutlich geändert.

Kultur und Leben

Die türkische Küche gehört mit ihrer charakteristischen Vielfalt zum Besten, was die Welt auf diesem Gebiet zu bieten hat. Die Vorliebe für besteimmte Speisen stammt noch aus der Nomadenzeit der Türken in den Steppen Zentralasiens. kücheZusammen mit den traditionellen Speisen Anatoliens verschmolzen sie im Laufe der Jahrhunderte zu einer eigenständigen Küche, die durch die Kunstgertigkeit der osmanischen Hofköche zur höchsten Vollkommenheit gelangte.

Märchen und Erzähler

Der berufsmäßige Märchenerzähler (Meddah) ist schon lange aus dem Bild des Alltagslebens verschwunden. Die Schwänke in bewährter Eulenspiegelart von Nasreddin Hodja, der im 13.Jh. gelebt haben soll, sind auch heute noch bekannt. Aus dieser Zeit stammt auch ein Vorkämpfer des Sufismus – Yunus Emre. Ein zeitgenössischer Erzähler ist Yasar Kemal mit seinem Werk „Mehmed, Mein Falke“. Yasar Kemal ist kurdischer Abstammung und hat 2008 den Kulturpreis vom Staatspräsidenten überrreicht bekommen.

 

 

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